Ehrenamt des Monats: „Die Mühle gewinnt mit Mahlen und nicht mit Stillstehen“

21. Mai 2026
Unser Ehrenamt Pressemitteilung

Vorsitzender des Pockauer Heimat- und Mühlenvereins ausgezeichnet

Von ehemals 16 Mühlen im Mündungsgebiet der Pockau ist die Ölmühle im gleichnamigen Ort die einzige, die im ursprünglichen Zustand erhalten geblieben ist. Seit 1991 setzt sich der Pockauer Heimat- und Mühlenverein e. V. dafür ein, das technische Denkmal zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Einer der sich dieser Lebensaufgabe in besonderer Weise verschrieben hat, ist der Vereinsvorsitzende Georg Schremmer.

 

1783 erbaut, verrichtet die Ölmühle Pockau noch heute ihr Werk, wenn auch nur im Rahmen von Schauvorführungen. Als technisches Denkmal und Museum kann sie es mittlerweile ruhiger angehen lassen. Bereits als kleiner Junge verbrachte Georg Schremmer gemeinsam mit seinem Vater und Großvater viel Zeit in der Mühle. Er wuchs sozusagen mit dem historischen Handwerk auf und wusste schon früh um die Probleme der denkmalgerechten Erhaltung. 2003 wurde er im Alter von 10 Jahren jüngstes Mitglied im Verein.

Heute kümmert sich der 32-jährige Pockauer federführend um die Belange des Pockauer Heimat- und Mühlenvereins, die Wartung der Mühlentechnik sowie die Besucherführungen. Die nach zwei Hochwassern notwendig gewordenen Schutzmaßnahmen wurden dank seines Engagements an die langfristige Versorgung der Mühle mit Wasser angepasst.

Landrat Rico Anton: „Das Fachwissen und die Hingabe mit der sich Georg Schremmer einbringt, um die historische Ölmühle in Pockau für die Nachwelt zu erhalten und erlebbar zu machen, stehen für bürgerschaftliches Engagement im besten Sinne. Mit der Auszeichnung mit dem Ehrenamt des Monats wollen wir nicht nur Danke sagen, sondern die Aufmerksamkeit auch ein Stück weit darauf lenken, dass der Erhalt unseres historischen Erbes und unserer Kulturdenkmäler davon abhängt, ob wir als Gesellschaft bereit sind, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.“

Im Interview verrät uns Georg Schremmer was ihn bewogen hat, sich für den Denkmalschutz zu engagieren.

 

Was macht für Sie die Faszination einer alten Mühle aus?

Georg Schremmer: „Die Technik besteht fast komplett aus Holz – Holz, das nur in Verbindung mit Wasser arbeitet. Für den Werkstoff und das Gebäude ist das oftmals eine herausfordernde Verbindung. Von daher ist es tatsächlich faszinierend, dass die Mühle seit fast einem Vierteljahrtausend heute noch funktionstüchtig ist.“

 

Gleicht der Erhalt dem sprichwörtlichen Kampf gegen „Windmühlen“?

Georg Schremmer: „Das A und O ist die Pflege und fortlaufende Wartung. Keilverbindungen müssen regelmäßig erneuert, Schrauben nachgezogen und Getriebe regelmäßig gefettet werden, bis irgendwann ein Austausch fällig ist. Neben dem Holz ist es auch das alte Gebäude, das insgesamt arbeitet. Dadurch stehen regelmäßig kleinere und größere Sanierungsmaßnahmen an.“

 

Was davon können die Engagierten im Ehrenamt überhaupt leisten?

Georg Schremmer: „Wir versuchen als Verein so viel wie möglich selbst in die Hand zu nehmen. Das geht mit einfachen Hausmeistertätigkeiten los: vom Wechseln einer Glühbirne über die Pflege der Grünanlagen bis dahin, dass die Dächer regelmäßig von Moos befreit werden müssen. Wenn der Mühlgraben entschlammt werden muss, legen wir auch selbst Hand an. Als studierter Holztechniker konstruiere und baue ich auch gern mit Holz, so dass wir auch mit Blick auf die Mechanik viele Arbeiten selbst erledigen können. Dafür treffen wir uns zu regelmäßigen Arbeitseinsätzen und es ist meine Aufgabe, diese entsprechend zu koordinieren. Ich möchte mich an dieser Stelle auch ausdrücklich bei unseren derzeit 20 Mitgliedern bedanken. Alle ziehen mit, zeigen ein hohes Maß an Eigeninitiative und stehen für ein gutes Miteinander ein. Das macht mir die Arbeit als Vorstand um einiges leichter. Es zeichnet unseren Verein aus, dass er viel mehr ist als eine Zweckgemeinschaft – für uns ist er wie ein zweites Zuhause, wie eine zweite Familie.“

 

Wo liegen die Grenzen des Leistbaren?

Georg Schremmer: „Das Gebäude gehört der Stadt Pockau-Lengefeld – sie übernimmt die Betriebs- und Sanierungskosten, vor allem bei größeren Maßnahmen. Die Stadt unterstützt uns auch und stellt Ressourcen durch den Bauhof bereit. Wir als Verein kümmern uns um die Pflege, Erhaltung und darum, dass das Objekt mit Leben erfüllt wird. Diese Zusammenarbeit funktioniert sehr gut und wir haben die bisherigen Herausforderungen stets gemeinsam gemeistert. Der Verein würde an Grenzen kommen, wenn er die Ölmühle Pockau als Museum eigenständig wirtschaftlich betreiben müsste. Dafür reichen die Einnahmen aus Eintrittsgeldern, Souvenirverkauf und Spenden bei weitem nicht aus.“

 

Wie erfüllen Sie das Denkmal und das Museum mit Leben?

Georg Schremmer: „Uns geht es um einen lebendigen Denkmalschutz. Von Mitte Mai bis Mitte Oktober haben wir immer samstags von 13:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. In dieser Zeit oder nach Voranmeldung bieten wir Führungen an. Um für unsere Gäste da zu sein, ist jeder unserer Museumsführer im Verein an vier bis fünf Wochenenden im Jahr im Einsatz. An gut frequentierten Samstagen und zu Sonderführungen sind 20 bis 30 Besucher keine Seltenheit. Zu besonderen Veranstaltungen wie dem Mühlentag am Pfingstmontag können es auch mal 800 bis 1.000 an einem Tag sein.“

 

Was genau bedeutet lebendiger Denkmalschutz?

Georg Schremmer: „Der reine historische Wert eines technischen Denkmals wie der Ölmühle Pockau ist die eine Sache. Lebendig wird der Denkmalschutz aber erst, wenn es gelingt, damit einen Bildungsauftrag zu verbinden. Wir laden dazu einmal im Jahr alle Kindergartengruppen im Vorschulalter ein. Anhand des Buches ‚Wie der Maulwurf zu seiner Hose kam‘ erklären wir den Kindern, wie aus Flachs ein Kleidungsstück entsteht. Damit schließt sich der Kreis zur Ölmühle in der auch der Leinsamen der Flachspflanze verarbeitet wurde.

Richtig spannend wird es, wenn sich Seminargruppen beispielweise aus den Ingenieurwissenschaften zu Führungen anmelden und wir quasi Fachpublikum vor Ort haben – dann entsteht meistens ein hochinteressanter, fachlicher Austausch und die Führung wird auch für uns gelegentlich zur Weiterbildung.“

 

Was würden Sie sich für den Verein wünschen?

Georg Schremmer: „Zunächst einmal, dass wir alle gesund bleiben und uns noch lange für den Erhalt der Ölmühle Pockau einsetzen können. Um uns zukunftsfähig aufzustellen wollen wir gern auch neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter für unseren Verein gewinnen. Wer sich also für die Pflege und den Erhalt eines technischen Denkmals begeistern kann, den laden wir herzlich zu einem gegenseitigen Kennenlernen ein.“

 

Was wünschen Sie sich für die Ölmühle Pockau für die Zukunft?

Georg Schremmer: „Dass es trotz der schwierigen Haushaltslage der Kommunen gelingt, die Finanzierung für den laufenden Betrieb und notwendige Sanierungsmaßnahmen auf sichere Füße zu stellen. Für die notwendige Dachsanierung liegt uns die denkmalrechtliche Genehmigung schon vor, dafür sind wir aber auf Fördermittel angewiesen. Mittelfristig steht auch der Tausch der Wasserradwelle, Putzarbeiten am Gebäude und die Sanierung des Mühlgrabens an. Wir sprechen von circa 250.000 Euro in den nächsten drei bis acht Jahren.“

 

Für sein langjähriges und umfassendes Engagement in der Denkmalpflege wurde Georg Schremmer mit dem „Ehrenamt des Monats April 2026“ ausgezeichnet. Er erhielt von der Fachstelle Ehrenamt des Erzgebirgskreises eine Urkunde, die erzgebirgische Holzfigur „HelD“ (Helfen und Danken) sowie eine Einladung zum Großen Regionalpreis des Erzgebirgskreises ERZgeBÜRGER.

 

 

Quelle: Fachstelle Ehrenamt / wu

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