Ehrenamt des Monats: „Vom Seepferdchen bis zum Rettungsschwimmer“
Schwimmen lernen, Gefahren vorbeugen und im Ernstfall Leben retten: Rund 250 Menschen engagieren sich bei der DLRG Bezirk Bad Schlema e. V. für die Sicherheit im und am Wasser. In Aue-Bad Schlema, Schwarzenberg, Zwönitz und Schneeberg übernehmen sie vielfältige Aufgaben – von der Schwimmausbildung bis zum Dienst in der Wasserrettung.
Seit der Gründung 1992 widmet sich der Verein insbesondere der Aus- und Weiterbildung von Kindern und Jugendlichen im Schwimmen und fortführend in der Wasserrettung. Getreu dem DLRG-Motto „Jeder Nichtschwimmer ein Schwimmer, jeder Schwimmer ein Rettungsschwimmer“ lernen bereits die Jüngsten, wie sie sich sicher im Wasser bewegen und können mit dem „Seepferdchen“ ihr erstes Schwimmabzeichen ablegen. Zudem unterstützt der Verein auch die Schwimmausbildung von Grundschülern bei Schwimmcamps und darüber hinaus auch die Rettungsschwimmerausbildung beim Landessportbund auf dem Rabenberg. Am Gymnasium Zwönitz können Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse im Rahmen des Sportunterrichts die Ausbildung zum Rettungsschwimmer absolvieren.
Das Aufgabenspektrum des DLRG Bad Schlema reicht mittlerweile weit über die Ausbildung hinaus. Im Hallenbad Zwönitz und im Gesundheitsbad ACTINON unterstützen die ehrenamtlich Engagierten die Badeaufsicht. Im Sommer kommen die Freibäder in Lauter, Bernsbach, Langenweißbach, Affalter, Raschau und Markersbach hinzu. Am Filzteich trainieren die Mitglieder zudem unter realen Bedingungen im Naturgewässer und unterstützen auch dort die Badeaufsicht. Die Erfahrungen bereiten sie auf Einsätze im Zentralen Wasserrettungsdienst an den Küstengewässern vor, denn zahlreiche Freiwillige aus den Reihen des DLRG leisten Jahr für Jahr auch den Dienst an den Stränden der Nord- und Ostsee.
Zur Absicherung von Veranstaltungen übernehmen die Mitglieder Sanitäts- und Wasserrettungsdienste. In gemeinsamen Schulungen mit den Feuerwehren der Region werden Gefahren an offenen Gewässern thematisiert und Rettungsszenarien praktisch geübt.
Rund zwei Stunden pro Woche trainieren die Aktiven, um jederzeit einsatzbereit zu sein. Hinzu kommen Aus- und Fortbildungen sowie Dienste – häufig an Wochenenden und in den Ferien, wenn in den Bädern besonders viel Betrieb herrscht. Im Durchschnitt zehn bis zwölf Stunden ihrer Freizeit investieren die ehrenamtlich Engagierten pro Woche und leisten damit einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag zu unserer aller Sicherheit an und im Wasser.
Landrat Rico Anton: „Die Arbeit der ehrenamtlich Engagierten des DLRG verdient nicht nur höchste Wertschätzung – es ist mir auch persönlich ein wichtiges Anliegen, dass sie in der Öffentlichkeit bewusster wahrgenommen wird. Hinter der Schwimmausbildung unserer Kinder und den Diensten in der Wasserrettung stehen Frauen und Männer, die sich freiwillig und in ihrer Freizeit für unsere Sicherheit einsetzen. Das ist alles andere als selbstverständlich.“
Im Interview verrät uns der Vereinsvorsitzende Jürgen Hahm, was ihn und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter beim DLRG antreibt.
Was braucht der DLRG-Bezirk Bad Schlema aktuell am dringendsten: mehr Nachwuchs, mehr Ausbilder, mehr Einsatzkräfte, bessere Ausrüstung – oder schlicht mehr Zeit?
Jürgen Hahm: „Mehr Zeit trifft es ganz gut. Vor allem mit Blick auf die uns zur Verfügung stehenden Hallenzeiten, stoßen wir an Grenzen, um die hohe Nachfrage in der Schwimmausbildung bedienen zu können.“
Mit welchen Situationen werden Ihre Einsatzkräfte im Rahmen des Wasserrettungsdienstes typischerweise konfrontiert?
Jürgen Hahm: „Das fängt bei einfachen Fragen der Badegäste an und geht weiter über die Unfallverhütung sowie präventive Maßnahmen, wie dem Einhalten von Baderegeln. Vom ‚Trostpflaster‘ für Kinder, über die Erstversorgung von Verletzungen bis zur Rettung ist alles dabei. Wir legen auch sehr viel Wert darauf, dass unsere Engagierten zwischenmenschlich einen guten Umgang mit den Badegästen pflegen. Präventiv kann man sehr viel erreichen: Wer beispielsweise beim Stand-Up-Paddling auf dem Filzteich eine Boje dabei hat, erleichtert uns die Arbeit enorm. Sie erhöht die Sichtbarkeit, bietet die Möglichkeit sich daran festzuhalten bis Hilfe eintrifft und gibt uns damit mehr Zeit zu reagieren.“
Sie bilden vom Schwimmanfänger bis zum Rettungsschwimmer aus. Was bedeutet es für Sie, einem Kind das sichere Schwimmen beizubringen?
Jürgen Hahm: „Es bedeutet unseren Engagierten und auch mir persönlich sehr viel. Wenn ich zählen müsste, wie viele Kinder das Schwimmen bei mir erlernt haben, reichen tausend nicht. Das Anfängerschwimmen ist die Basis für unsere gesamte Arbeit. Wir versuchen bei den Kursen für unsere Jüngsten auch einen hohen Betreuungsschlüssel sicher zu stellen. Die Sicherheit ist für uns das A und O. Außerdem kann man in kleinen Gruppen individueller auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen.“
Wo erleben Sie derzeit die größten Herausforderungen in der Schwimmausbildung von Kindern?
Jürgen Hahm: „Die körperlichen Voraussetzungen der Kinder sind nicht mehr so wie vor 20 Jahren. Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung und digitale Freizeitaktivitäten schlagen sich bemerkbar in der Koordination, Kondition und der Teamfähigkeit nieder. Das merken wir schon und arbeiten daran. Bei uns sind alle Kinder willkommen – wir legen deshalb sehr viel Wert darauf, auch junge Menschen mit Behinderung oder mit Migrationshintergrund zu integrieren.“
Viele Menschen verbinden die DLRG vor allem mit Rettungsschwimmern am Beckenrand. Wie viel mehr steckt tatsächlich hinter Ihrer ehrenamtlichen Arbeit?
Jürgen Hahm: „Wir leisten Sanitätsdienst bei der Absicherung von Veranstaltungen, führen Erste-Hilfe-Ausbildungen durch, stellen die Funkausbildung und Bootsführerscheine für unsere eigenen Retterinnen und Retter sicher. Wir trainieren unter anderem die Polizeifachschüler in der Wasserrettung, arbeiten in der Ausbildung eng mit den Freiwilligen Feuerwehren und Jugendfeuerwehren zusammen. Wir streben auch eine Kooperation mit der Johanniter Unfallhilfe an, um unser Netzwerk mit anderen Hilfsorganisationen regional weiter auszubauen.“
Beim Blasmusikfestival 2025 haben Ihre Einsatzkräfte gemeinsam mit Ersthelfern einen Menschen erfolgreich reanimiert. Was bedeutet ein solches Erlebnis für das Team?
Jürgen Hahm: „Es bedeutet uns sehr viel. Es schweißt das Team noch enger zusammen und motiviert den eingeschlagenen Weg gemeinsam weiter zu gehen. Auch die Würdigung und die Wertschätzung, die wir in diesem Fall erfahren haben, hat uns sehr bewegt. Der Betroffene ist der Leiter eines Orchesters aus Holland. Ihm geht es gut und er hat angekündigt, in diesem Jahr wieder zum Blasmusikfestival zu kommen.“
Wen würden Sie gern für ein Engagement bei der DLRG gewinnen und was sollte jemand mitbringen, der bei Ihnen mitmachen möchte?
Jürgen Hahm: „Wir würden gern auch einige Sponsoren gewinnen. Unsere Arbeit leisten wir im Ehrenamt, aber unsere Ausrüstung ist sehr kostenintensiv. Diese refinanziert der Verein ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und den Gebühren für die Schwimmausbildung. Wir sind daher auch auf der Suche nach Unternehmen, die uns gern unterstützen würden, um finanziell etwas unabhängiger zu sein und etwas mehr Spielraum zu bekommen.“
Für ihr umfassendes Engagement für die Wasserrettung, die Schwimmausbildung von Kindern und Jugendlichen und die Absicherung von Sanitätsdiensten wurden die ehrenamtlich Engagierten des DLRG Bezirk Bad Schlema e. V. mit dem „Ehrenamt des Monats August 2026“ ausgezeichnet. Sie erhielten von der Fachstelle Ehrenamt des Erzgebirgskreises eine Urkunde, die erzgebirgische Holzfigur „HelD“ (Helfen und Danken) sowie eine Einladung zum Großen Regionalpreis des Erzgebirgskreises ERZgeBÜRGER.
Quelle: Fachstelle Ehrenamt / wu


