Gedenkveranstaltungen erinnern an Opfer des Todesmarschs Mülsen–Eibenstock 1945

06. März 2026
News

Zwei Veranstaltungen in Mülsen und Schlema

Mit zwei öffentlichen Veranstaltungen wird im April an die Opfer des Todesmarschs vom KZ-Außenlager Mülsen nach Eibenstock im Jahr 1945 erinnert. Die Gedenkveranstaltungen finden am 13. April 2026 um 19:00 Uhr in der Vereinshalle Mülsen St. Niclas sowie am 14. April 2026 um 18:00 Uhr am Bahnhof Bad Schlema statt. Veranstaltet werden sie vom Alter Gasometer e. V. und dem KGE e. V.. Der Eintritt ist frei.

 

Historischer Hintergrund

Vom 27. Januar 1944 bis zum 13. April 1945 befand sich in Mülsen St. Micheln ein Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg. Mehr als 1400 Gefangene mussten dort Zwangsarbeit leisten und Flugzeugteile für die Erla Maschinenwerke herstellen.

Am 13. April 1945 wurde das Lager geräumt. Rund 800 Häftlinge wurden von den Nationalsozialisten zu Fuß Richtung Süden getrieben, um ihre Befreiung durch die bereits nahe US-Armee zu verhindern. Der sogenannte Todesmarsch führte über Hartenstein, Schlema, Schneeberg und Zschorlau nach Wolfsgrün bei Eibenstock. Dort wurden die Gefangenen in Güterwaggons geladen und in das KZ-Außenlager Leitmeritz im heutigen Litoměřice transportiert.

In Schlema wurden während des Marsches 83 Häftlinge ermordet und im nahegelegenen Osterlammstolln verscharrt.

 

Gespräch über Erinnerung in der Familie

Die erste Veranstaltung am 13. April in Mülsen widmet sich den langfristigen Folgen nationalsozialistischer Verbrechen im familiären Gedächtnis. Im Mittelpunkt steht ein Gespräch mit Hans Breuer, Enkel des KZ-Häftlings Johann Brunner, der sowohl das Außenlager Mülsen als auch den Todesmarsch überlebte.

Breuer berichtet über die in seiner Familie weitergegebenen Erinnerungen an Haft und Todesmarsch sowie über den Umgang mit dieser Geschichte in seinem eigenen Aufwachsen. Zwischen den Gesprächsabschnitten setzt er zudem musikalische Akzente.

 

Filmvorführung und Podiumsgespräch in Schlema

Die zweite Gedenkveranstaltung findet am 14. April am Bahnhof Bad Schlema statt. Anlass ist der Jahrestag der Ermordung von 83 Häftlingen in Schlema im Jahr 1945.

Gezeigt wird zunächst der rund 20-minütige Dokumentarfilm „Unvergessen“, der 1975 von einem Jugendamateurfilmteam in Zusammenarbeit mit dem Amateurfilmteam der Wismut über das Ereignis gedreht wurde. Der Film gilt als Beispiel für lokale Erinnerungsarbeit in der DDR.

Im Anschluss wird es ein Podiumsgespräch darüber geben, wie sich die Gedenkkultur seit dem verändert hat und welche Formen des Erinnerns heute als wichtig erachtet werden.

 

Hinweise für Besucher

Die Veranstaltung in Schlema findet in einem Rohbau des Bahnhofs Bad Schlema statt. Besucherinnen und Besucher werden gebeten, sich entsprechend warm anzuziehen. Eine Toilette steht für den Notfall zur Verfügung.

 

Quelle: Kompetenzzentrum für Gemeinwesenarbeit und Engagement e.V. - "DenkMal! Todesmarsch Mülsen-Eibenstock 1945" / 06.03.2026